Diesmal geht es bei sommerlichen Wetter wieder zum Rad-Highway Nord, diesmal von Kagraner Brücke bis Kagraner Platz - der neueste Abschnitt: vorbei an Schulen, Einkaufszentren und Öffi-Stationen. Kommt mit!
Rad-Highway Nord Teil 3 | Beradelungen Wien 2025
Transkript
Hallo, willkommen zur heutigen Beradelung!
Heute befinden wir uns am neuesten Abschnitt des Rad-Highway Nord. Ein Straßenabschnitt wurde in einen linearen Park verwandelt. Das schauen wir uns heute an!
Kommt mit!
Zuerst ein Blick auf die Karte:
Der Rad-Highway Nord führt vom Zentrum in Richtung Nordosten in den Bezirk Donaustadt und weiter nach Niederösterreich. Heute fahren wir einen ungefähr 2km langen Abschnitt im Bezirksteil Kagran.
Jetzt im Detail:
Wir starten auf der Kagraner Brücke über der Alten Donau. Wir fahren entlang der Wagramer Straße, vorbei am Donau Zentrum bis nach dem Kagraner Platz.
Wir fahren die Strecke in beide Richtungen um alle möglichen Details und Problemstellen zu sehen, dann bilde ich ein Fazit.
Die wichtigsten Verbindungen:
Stadteinwärts führt der Rad-Highway Nord bis ins Zentrum.
Stadtauswärts nach Leopoldau und weiter nach Niederösterreich, wobei er sich in mehrere Abzweigungen auffächert.
Die Routen Donaustadtstraße – Siebeckstraße sowie Donaufelder Straße – Kagraner Platz sind die wichtigsten Querverbindungen auf unserer Route.
Auf die anderen Verbindungen werde ich während der Fahrt eingehen.
Wir setzen unsere Fahrt an der Kagraner Brücke fort, die über die alte Donau führt.
Nach links zweigt die Route an der oberen alten Donau, wo wir über den Kagraner Steg auch zur unteren alten Donau fahren können.
Nach links zweigt die Route „An der oberen alten Donau“ ab, wo wir auch die Kagraner Brücke über den Kagraner Steg zur unteren alten Donau unterqueren können.
Und damit kommen wir auch schon zur ersten großen Querstraße unserer Route, der Erzherzog-Karl-Straße nach Rechts. Dort ist aktuell ein Radweg-Lückenschluß zur Donaustadtstraße angekündigt.
Der Radweg auf dem wir uns gerade befinden, wurde im Jahr 2022 gebaut. Ich finde ihn sehr gelungen, die Breite ist akzeptabel, die Oberfläche glatt.
Eine Trennung zur Fahrbahn, z.b. durch eine Grünfläche, fände ich noch angenehm.
Wir sehen eine Hochflur-Straßenbahn der Type E2 mit Beiwagen c5 auf der Linie 25. Es handelt sich um die letzte hochflurige Straßenbahntype in Wien, also mit Stufen beim Einstieg. Man sieht sie heutzutage nicht mehr oft, sind doch bereits mehr als die Hälfte der Fahrzeuge ausgemustert. Immerhin sind manche schon über 40 Jahre alt.
Was mir nicht gefällt, ist, dass wieder Querkanten bei niederrangigen Nebenstraßen über den Radweg gelegt wurden. Sie sind zwar flach ausgeführt, trotzdem bevorrangen sie optisch den Querverkehr. In den RVS – Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen – sind diese nicht vorgesehen.
Mit den ersten Ausläufern des Einkaufszentrums Donauzentrum kommen wir zum nächsten Knotenpunkt: die Kreuzung mit der Siebeckstraße (links) und Donaustadtstraße (rechts).
Die Donaustadtstraße habe ich bereits in einem anderen Video beradelt. Link in der Videobeschreibung!
Dort erzähle ich auch von dem Kunstwerk, das wir rechts vor uns sehen!
Nach links in der Siebeckstraße wurde inzwischen ein nordseitiger Zweirichtungsradweg errichtet, der in dieser Aufnahme noch nicht zu sehen ist. Dort befindet sich in knapp 200m Entfernung die U-Bahn-Station Kagran.
Ab Donaustadtstraße ist der Radweg noch viel neuer, er wurde erst im Sommer 2025, also kurz vor meinem Filmtermin im September, fertiggestellt.
Schön breit ist dieser Abschnitt geworden, eines Rad-Highways würdig. Die üppigen Beete mit bunten Blüten gefallen mir gut, sie bilden einen schönen Puffer zum Kfz-Verkehr.
Nach links zweigt die Radroute Prandaugasse ab. Allerdings fehlt am ersten Abschnitt, am Czernetzplatz, noch sichere Radinfrastruktur. Zumindest im Hauptradverkehrsnetz ist dies als geplant eingetragen. Nach rechts gibt es einen nordseitigen Zweirichtungsradweg in der Wintzingerodestraße.
Links/Rechts sehen wir eine Ei-förmige Skulptur. Sie stammt vom österreichischen Künstler Wander Bertoni 1925-2019. Sie hätte Teil einer größeren Brunnenanlage „Wassergeg“ sein sollen und ist als „Wir und das Ei“ oder „Wagramer Brunnen“ bekannt.
Au, das sind hier unangenehme Querkanten. Ich denke, das Klappern des Rades wird man auch im Video gut hören.
Autofahrys würden auf Hauptverkehrsrouten – und dies hier ist immerhin der Rad-Highway Nord – wohl nie mit solchen Schwellen geplagt.
Zuvor befand sich in der Mitte der Straße noch ein eigenständiger Gleiskörper der Straßenbahnlinie 26, der durch den Neubau der Strecke von Kagraner Platz bis Hausfeldstraße im Jahr 2013 obsolet wurde.
Bereits im Jahr 2006 wurde die Straßenbahnlinie 25 eingestellt, da die Strecke von Kagran nach Leopoldau von der U1 übernommen wurde.
Die Einstellung wurde von vielen Personen kritisiert, bedienen Verkehrsmittel doch unterschiedliche Bedürfnisse.
Eine Straßenbahn hat kürzere Haltestellenabstände und fährt an der Oberfläche, was barrierearm ist und die lokale Wirtschaft stärkt.
Eine U-Bahn hat höhere Geschwindigkeiten und verbindet Stadtteile, was zu Zentralisierung führt.
Ideal wäre eine Kombination aus beiden Verkehrsmitteln, so dass beide ihre Stärken ausspielen können.
Vor dem Umbau befanden sich neben dem Gleiskörper je zwei Fahrstreifen pro Richtung sowie eine Parkspur. Der Umbau hat also den Platz neu verteilt.
Die Begrünung zu den Gehsteigen dürfte Altbestand sein, die Bäume zwischen Fahrbahn und Radweg neu – das sieht man gut an der Baumgröße.
In der Gasse rechts vor dem eingerüsteten Haus, befindet sich eine Radroute nach Osten, „Am Freihof“. Um diese sicher zu erreichen gibt es auf der anderen Straßenseite einen weiteren kurzen Radweg zum Kagraner Platz.
Und damit kommen wir zum Kagraner Platz – einem fast 700 Meter langen, langgestreckten Platz in West-Ost-Richtung, den wir am westlichen Ende queren.
Wie ich schon vorher erwähnte, ist die Straßenbahnstrecke über den Kagraner Platz nach Osten noch recht neu, sie wurde erst Ende 2013 in Betrieb genommen.
Vor uns sehen wir die U-Bahn-Station Kagraner Platz mit den diversen Bushaltestellen rund herum.
Der Kagraner Platz erinnert an die Ortsgemeinde Kagran, die 1905 mit den anderen transdanubischen Gemeinden zum 21. Bezirk Floridsdorf eingemeindet wurden. Im Oktober 1938 wurden die Bezirke durch die Nazis umstrukturiert und mit einigen umliegenden Gemeinden Groß-Wien geschaffen. Damit kam Kagran zum 22. Bezirk Groß-Enzersdorf. Dies wurde nach dem Krieg rückgängig gemacht, aber im Zuge dessen der 22. Bezirk Donaustadt gegründet zu dem auch Kagran gehört.
Wir müssen jetzt die Straßenseite wechseln, ab hier befinden sich jeweils Einrichtungsradwege auf beiden Seite der Straße.
Die Baustelle die wir gegenüber sehen ist für den Radweg Am langen Felde, ein Zweirichtungsradweg auf der Nordseite. Auch dieser ist inzwischen fertiggestellt und führt zur Breitenleer Straße.
Damit haben wir das nördlichste Ende meiner Beradelungen des Rad-Highways-Nord erreicht. Zumindest vorerst. Es sind immerhin noch weitere 3,5 km bis zur Endstation der U1, Leopoldau. Und danach führt die Strecke noch weiter.
Bevor wir zurück in Richtung Stadt fahren, werfen wir einen Blick auf das Hauptradverkehrsnetz der Stadt Wien:
Natürlich handelt es sich um eine Route des Basisnetzes.
Und sie ist eine der wenigen umgesetzten Routen des Rad-Highway Konzeptes.
Hier sieht man auch gut, wie sich der Rad-Highway nach Kagran auffächert. Es ist ein eigener Ast nach Süßenbrunn geplant.
Nach einem Wechsel der Straßenseite, befinden wir uns wieder vor der Kreuzung Am langen Felde.
Oh, ein Wegweiser zum Radweg Kagran nach Rechts. Vor Fertigstellung des Rad-Highway gab es bereits eine Alternativ-Route bei der U1 Trasse. Er zeigt zur Albert-Schultz-Halle und zur Donauinsel.
Wichtig wäre, auch noch Wegweiser für den Rad-Highway aufzustellen. Als Ziele würde ich Kagran, Praterstern und Zentrum anführen.
Vom Kagraner Platz nach Westen führt die Donaufelder Straße. Auch diese erinnert an einen früheren Ort, die Gemeinde Donaufeld, gegründet um 1860 in der Nähe der jetzigen U-Bahn-Station Floridsdorf.
Für den Radverkehr ist die Situation nach Westen eher ungut. Auf der Donaufelder Straße gibt es nur bis zur nächsten Querstraße Radstreifen, danach muss man sich im dichten Autoverkehr einreihen. Durchgehende Parallelrouten bis nach Floridsdorf gibt es leider keine.
Von rechts hören wir die Glocken der Kagraner Pfarrkirche St. Georg. Sie gilt als das älteste transdanubische Gebäude Wiens. Errichtet vermutlich im 12. Jahrhundert, wurde es viele Male umgebaut und erweitert.
Geweiht ist sie dem heiligen Georg aus dem 3. und 4. Jahrhundert u.Z. der als Märtyrer verehrt wird. Er gilt als einer der vierzehn Nothelfer, der beiKriegsgefahren, Krankheit und gegen Versuchung helfen soll und Haustiere beschützt.
Eine spätere Interpretation sieht ihn als Retter einer Königstochter vor einem Drachen. Er tötet den Drachen, nachdem sich König und Bevölkerung taufen ließen.
Jetzt habe ich bereits zweimal den Begriff „transdanubisch“ verwendet. Als „Transdanubien“ werden in Wien die Bezirke jenseits der Donau bezeichnet, also 21 Floridsdorf und 22 Donaustadt, seltener hört man auch „Cisdanubien“ für die Stadtteile rechts der Donau.
Auf den Bereich ab hier ist die Stadträtin besonders stolz, wurde er doch in einen linearen Park verwandelt. Auf der linken Straßenseite wurden im Herbst noch weitere 60 Bäume gepflanzt. Schade, dass dies in diesem Video noch nicht sichtbar ist.
Die Begrünung ist definitv eine Verbesserung, allerdings ist der Verkehrslärm weiterhin eine große Einschränkung der Lebensqualität. Auch Elektroautos sind bei diesen Geschwindigkeiten kaum leiser.
Rechts sehen wir die Wohnhausanlage Wagramer Straße, ein Gemeindebau aus den 1920er Jahren mit fast 400 Wohnungen. Ursprünglich war diese für Straßenbahnbedienstete vorgesehen, befindet sich doch in der Nähe die Remise Kagran.
Vielleicht könnt ihr euch erinnern, dass ich mich im ersten Abschnitt des Rad-Highway Nord darüber mokiert habe, dass auf den Wegweisern eine „Albert-Schultz-Halle“ angeschrieben ist? Es handelt sich dabei um ein Eishockey- und Eislauf-Zentrum etwas westlich von hier (also rechts), wo die Vienna Capitals beheimatet sind. Allerdings wurde die Halle inzwischen in „Steffl Arena“ umbenannt.
Auch deshalb fordere ich, dass Wegweiser sich optimalerweise an wichtigen Öffi-Stationen orientieren sollten, da diese allgemeiner bekannt sind – auch bei Touristys – und seltener umbenannt werden.
Mir gefällt die Pflasterung des Gehsteiges, der pixelartmäßig von Radweg zu Gebäuden heller wird. Dies ist auch im Sommer angenehmer als der übliche Asphalt, da die Hitze nicht so stark gespeichert wird.
Wir sind wieder beim Donauzentrum, welches 1975 eröffnet wurde. Es ist derzeit das größte Einkaufszentrum in Wien.
Nochmal ein Blick zur Donaustadtstraße und zur Siebeckstraße.
Wir fahren jetzt an der Berufsschule für Baugewerbe mit ca. 800 Schülys vorbei, an der 13 verschiedene Lehrberufe unterrichtet werden.
Eine wichtige Forderung der Radlobby ist der Anschluss aller Wiener Schulen an das Radwegenetz, damit Schülys die Möglichkeit haben, sicher mit aktiver Mobilität den Schulweg zurückzulegen. Das ist nicht nur gesund und macht Spaß, es fördert auch die Aufnahmebereitschaft und Konzentrationsfähigkeit. Außerdem können es sich alle leisten, und solche Mobilitätsentscheidungen bleiben möglicherweise für’s ganze Leben.
Eine neue Studie zum Modal-Split – also welche Anteile der Wege der Bewohnys Wien mit welchem Verkehrsmittel zurückgelegt werden – hat ergeben, dass der Anteil aktiver Mobilität gerade bei jungen Erwachsenen stark am Steigen ist. Auffällig ist die Entwicklung bei jungen Männern. Haben Anfang der 2010er Jahre noch 23% das Kfz genutzt, waren es in den letzten Jahren nur noch 8%. Das zeigt, dass ein gesellschaftlicher Wandel stattfindet.
Ich finde es wichtig, dass die Politik darauf reagiert und die Lücken im Radnetz schnell schließt, um diese Entwicklung zu unterstützen.
Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick über die alte Donau.
Wie es hier weitergeht, könnt’ ihr in der Beradelung zum zweiten Abschnitt des Rad-Highway Nord nachsehen. Link in der Videobeschreibung!
Mein Fazit:
Dieser dritte Abschnitt ist eine würdige Weiterführung des Rad-Highways. So kann man wirklich Leute dazu animieren, Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen. Infrastruktur muss nicht nur sicher sein, sondern auch sicher wirken. Dann trauen sich nämlich auch Eltern, ihre Kinder alleine fahren zu lassen.
Ein Wermutstropfen sind die unangenehmen Querkanten bei den Querungen, besonders im 2025er Abschnitt zwischen Donauzentrum und Kagraner Platz. Hoffentlich können sie nach abgeschrägt werden.
Weiterhin fehlt die Wegweisung. Ich habe den Eindruck, die Stadt hat einfach aufgegeben, Wegweiser aufzustellen. Dabei ist Wegweisung sehr wichtig, vor allem für ortsfremde Personen. So schwer kann es doch nicht sein, ein durchdachtes System zu entwickeln.
Was sagt ihr zum neuen Rad-Highway Nord? Fährt ihr auch öfter darauf? Schreibt es mir doch unten in die Kommentare!
Ich habe gerade jemanden getroffen, der meine Videos gesehen hat. Das hat mich sehr gefreut!
Wenn ihr euch bessere Bedingungen für das Radfahren wünscht, dann schreibt doch euren Bezirksvorstehys. Erwartet keine schnellen Änderungen, aber steter Tropfen höhlt den Stein.
Außerdem empfehle ich, Mitglied bei der Radlobby zu werden. Die Radlobby ist ein Verein, der sich auf verschiedenen Ebenen für bessere Bedingungen für das Radfahren einsetzt. Mit eurer Mitgliedschaft habt ihr verschiedene Vorteile wie Rechtsschutz-, Unfall- und Haftpflichtversicherung. Außerdem bekommt ihr jedes Quartal den Drahtesel - das österreichische Fahrradmagazin – zugesendet.
Danke, dass ihr bis zum Schluss des Videos dabeigeblieben seid. Wenn ihr die nächste Beradelung nicht versäumen wollt, dann abonniert doch meinen Kanal!