Bei Schnee radfahren? Ja geht das denn überhaupt? Ich nehme euch auf eine kleine Route im Westen Wiens mit!
Winterlich durch den 12. und 15. | Beradelungen Wien 2026
Transkript
Hallo, willkommen zur heutigen Beradelung! Heute schauen wir uns Wien bei Schnee an. Kommt mit!
Zuerst ein Blick auf die Karte.
Für diese Schneefahrt habe ich eine tangentiale Route im Westen Wiens ausgesucht.
Jetzt im Detail:
Wir starten an der Arndtstraße zur Gierstergasse, fahren an der U4 Station Längenfeldgasse zur Storchengasse. Über den Sparkassaplatz geht via Kürnbergergasse und Reindorfgasse zur äußeren Mariahilfer Straße.
Und dann fahren wir die Strecke wieder zurück um alle möglichen Details und Problemstellen zu sehen, dann bilde ich ein Fazit.
Die Strecke führt vom 12. Bezirk Meidling in den 15. Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus und ist etwas mehr als einen Kilometer lang.
Die wichtigsten Verbindungen:
Der Wientalradweg ist eine der wichtigsten Radrouten in der Stadt, er führt vom Zentrum nach Hütteldorf.
In der äußeren Mariahilfer Straße – einer wichtigen Einkaufsstraße – wird derzeit an einem Radweg gebaut, das wird die Route deutlich aufwerten.
Die Verbindung Grenzgasse – Schmelzbrücke ist eine der wenigen Querungen über das Westbahnhofgelände in den Norden.
Auf die anderen Verbindungen werde ich während der Fahrt eingehen.
Wir starten auf der Arndtstraße und fahren gleich nach Rechts in die Gierstergasse.
Die Gierstergasse ist eine schmale für das Radfahren gegen die Einbahn geöffnete Straße.
Diese Beradelung verdanken wir Elli – einer Kaltfront die aktuell über ganz Europa zieht und uns einiges an Schnee bringt.
Schnee ist für Raumplanerys immer interessant – es werden nämlich Aspekte sichtbar, die sonst verborgen bleiben, genannt „Sneckdown“.
Das sind einerseits Desire-Lines, also Pfade, die Menschen bevorzugen, was zur Optimierung von Wegen genutzt werden kann.
Andererseits Fahrbahn-Flächen die vom Kfz-Verkehr ungenutzt bleiben und z.b. für Gehsteigvorziehungen und Begrünung verwendet werden können.
Wir befinden uns jetzt an der Schönbrunner Straße, Teil der sogenannten Westeinfahrt. Nach der Querung verläuft der Wientalradweg, ins Zentrum geht es nach Rechts. Das Gebäude vor uns ist der westliche Eingang zur U-Bahn-Station Längenfeldgasse, wo sich U4 und U6 kreuzen.
Wir biegen kurz auf den Wientalradweg, um dann gleich wieder rechts abzubiegen.
Wir sehen, dass er geräumt wurde, wenn auch nur mit einem schmalen Band.
Wir fahren auf den Storchensteg, welcher den Wienfluss überspannt. Leider kein sehr schöner Anblick, da dieser hier in einem Betonbett fließt. Wann kommt endlich die Renaturierung?
Bei der Einfahrt in die Storchengasse erwartet uns ein Hindernis. Wegen einer Baustelle ist die Fahrbahn verengt und wir können nicht gegen die Einbahn fahren. Wir müssen wohl ein Stück zu Fuß zurücklegen.
Na endlich, wir können wieder auf die Fahrbahn fahren.
Vor der Kreuzung Diefenbachgasse werden wir auf einen kurzen Radweg gegen die Einbahn geleitet. Dass dieser nicht geräumt ist, finde ich verzeihlich, da hier wegen der Einbahnsperre wohl kaum jemand fährt.
Dieser Radweg dient übrigens als Verkehrsfilter, damit Kfz-Fahrys diese Straße nicht als Abschneider verwenden.
Rechts sehen wir eine blaue Wandmalerei mit Kristallformen auf einem Gemeindebau aus den 1970er Jahren. Der Street-Art Künstler Norbert Wabnig hat es 2024 gestaltet.
Die Storchengasse erinnert an ein früheres Hausschild – einem früheren Erkennungsmerkmal von Häusern.
Wir kommen zum Sparkassaplatz, der nach der Rudolfsheimer Kommunalsparkasse benannt ist, die in dem gekuppelten Gebäude links untergebracht war. Gegründet 1881, wurde sie 1923 mit der Zentralsparkasse der Stadt Wien fusioniert.
Wir queren die Ullmannstraße, einer wichtige Route zwischen Gürtel und Meidlinger Hauptstraße.
Weiter führt unsere Route in die Kürnbergergasse, die nach dem Dichter Ferdinand Kürnberger 1821-1879 benannt ist.
Auch wenn es durch den Schnee beschwerlich ist, fahre ich an den Kfz vorbei vor, da ich nicht die Abgase einatmen will.
Die Sechshauser Straße gilt auch Hauptradroute, allerdings gibt es nur Mehrzweckstreifen. Ich finde es nicht angenehm hier zu fahren. Durch die Ullmannstraße kann man ganz gut ausweichen, allerdings sind die hiesigen Geschäfte und Lokale schlecht mit dem Rad erreichbar.
Die Reindorfgasse hat viele kleine Geschäfte und Lokale.
In den frühen 2000ern wurde sie durch das Reindorfgassenfest sehr bekannt, einige kulturelle Einrichtungen zogen ein und belebten die Straße. Ich habe den Eindruck, dass die Straße wieder ein bisschen eingeschlafen ist, aber einige Wandmalereien zeugen noch von den Initiativen.
Die legendäre Pizzeria Mafiosi links ist inzwischen übersiedelt.
Wir queren die Straßen Herklotzgasse rechts bzw. Oelweingasse links, die im Jahr 2023 zu einer wichtigen Bezirksradroute ausgebaut wurden. Immerhin befinden sich mehrere Schulen im direkten Umfeld, sowie führt die Oelweingasse direkt zum Auer-Welsbach-Park.
Im Kreuzungsbereich Meinhartsdorfer Gasse zeigt uns der Schnee, welche Flächen für größere Gehsteigvorziehungen genutzt werden könnten.
Das letzte Stück der Reindorfgasse ist steil und nur zu Fuß oder mit dem Rad bewältigbar. Es ist eng, darum geht sich nur ein schmaler Radweg aus.
Und damit sind wir an der äußeren Mariahilfer Straße angekommen, einer echten Asphaltwüste.
Nach schräg rechts geht es zur Grenzgasse – leider gibt es derzeit keine richtige Querung dorthin.
Hoffentlich ändert sich das, wenn heuer der neue Radweg gebaut wird. Ich bin schon gespannt!
Während ich das Rad umdrehe, werfen wir einen Blick auf das Hauptradverkehrsnetz der Stadt Wien.
Der Abschnitt im 15. Bezirk ist Teil des Grundnetzes, der zweiten Kategorie.
Die Gierstergasse ist nur eine Bezirksroute.
Für den Winter hat die Stadt Wien einen eigenen Räumplan für die Radrouten entwickelt. Das „Winter-Radwegbasisnetz“ in Rot wird priorität geräumt, die hellblauen werden auch winterlich betreut. Grau-strichlierte Linien sind Radwege ohne Betreuung.
Hier der Ausschnitt, den wir heute fahren: Durchgehend blau, also winterlich betreut, inklusive der Bezirksroute Gierstergasse.
Der Wientalradweg ist eine der prioritären Winter-Radwegbasisnetz Routen.
Auf der Oswaldgasse – einer anderen Winter-Radwegbasisnetz Route – ist mir heute sogar ein Räumfahrzeug begegnet:
Wie diese Route im Frühling bei der Kastanienblüte aussieht, sieht ihr in einer anderen Beradelung. Link in der Videobeschreibung!
So, jetzt zurück zu unserer Route:
Neben dem Radweg sehen wir eine Skulptur, das Planetariums Karussel von Ignaz Semlitsch aus dem Jahr 2009.
Wir fahren in unserer Route durch drei ehemalige Gemeinden: Unter-Meidling, Sechshaus und Reindorf. 1892 wurden diese Gemeinden nach Wien eingemeindet: Unter-Meidling zum 12. Bezirk Meidling, Sechshaus und Reindorf zum 14. Bezirk Rudolfsheim. Mit der Neuorganisation der Bezirke durch die Nazis 1938 wurde Rudolfsheim Bestandteil des 15. Bezirks Rudolfsheim-Fünfhaus.
Dafür, dass die Reindorfgasse so eine wichtige Nord-Süd Radverbindung im Bezirk ist, ist sie eigentlich relativ unangenehm zu fahren, da die Fahrbahn sehr schmal ist. Der Schnee verengt die Fahrbahn noch mehr, und blockiert teilweise auch die Radstreifen.
Wichtig wäre eine weitere Verkehrsberuhigung, da hier doch recht viel Kfz-Durchzugsverkehr herrscht. Ich wünsche mir eine menschenfreundlichere Gestaltung, z.B. durch eine Begegnungszone mit heller Pflasterung und noch mehr Grün.
Wusstet ihr, dass der Schnee viel heller wäre, wenn keine Verbrenner-Autos fahren würden? Ruß und Feinstaub gehören zu den Hauptgründen für dunklen Matsch. Außerdem Reifen-Abrieb, aber der kommt natürlich auch von Elektroautos.
Dazu kommen dann noch Straßensalz und Split.
Stellt euch eine Stadt ohne Autos vor – die könnte bei Schnee richtig Weiß sein!
Hier müssen wir auf der Gegenfahrbahn fahren, da der Radstreifen nicht geräumt wurde. Wäre das Räumfahrzeug einen halben Meter weiter links gefahren, dann hätte es für beide Richtungen gepasst.
In der Mitte des Kreisverkehrs steht, wie bei so vielen Kreisverkehren, ein Kunstwerk. Es handelt sich um eine Skulptur von Karl Anton Wolf aus dem Jahr 1972 und nennt sich „Technische Form III“.
Das braune Haus rechts war die Storchenschul, in der jüdische Lehranstalten und Vereine untergebracht waren. Anfang der 1930er Jahre wurde es zu einer Synagoge umgebaut, die allerdings bei den Novemberpogromen 1938 verwüstet und dann arisiert wurde. Nach der Restituierung wurde es von jüdischen Jugendorganisationen genutzt bis es 1974 verkauft wurde. 2010 wurde das Haus in einen Neubau integiert.
Jetzt befinden wir uns wieder im Wiental, vor uns quert die Linke Wienzeile.
Die Station Längenfeldgasse gibt es erst seit Eröffnung der U6 im Jahr 1989.
Zuvor haben sich Gürtel- und Wientallinie der Stadtbahn bei der Station Meidlinger Hauptstraße getroffen, was erklärt warum diese so einen breiten Bahnsteig hat, in der Mitte war nämlich noch ein zusätzliches Gleis, auf dem die Gürtellinie gewendet hat.
Die Gierstergasse wurde 2015 neu gestaltet, dabei wurden die Gehsteige verbreitert und die Einbahn für das Radfahren in beide Richtungen geöffnet.
Mehr Begrünung fände ich noch wichtig.
„Two girls“ – so nennt sich das Mural vor uns
auf der Feuermauer des Giersterbräu. Es wurde vom Künstly-Duo Jana & JS im Jahr 2014 gestaltet.
Au, das hat nicht so gut geklungen! Ich hoffe, das Fahry hat sein Fahrzeug nicht beschädigt.
Und damit befinden wir uns wieder an der Arndtstraße. Die werde ich ein anderes Mal beradeln. Abonniert meinen Kanal um es nicht zu verpassen!
Mein Fazit zu der Strecke:
Es ist eine angenehme Route auf Nebenstraßen mit einigen Geschäften und Lokalen. Kein Wunder, dass bereits jetzt sehr viele Menschen zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind.
Es gibt großes Potential die Straße noch menschenfreundlicher zu gestalten, mit Begrünung, Sitzgelegenheiten, Pflasterung u.s.w. Das würde die Straßen noch weiter beleben.
Die Schnee-Räumung des Winter-Basisnetzes scheint ganz gut zu funktionieren, wenn auch zuerst nur sehr schmale Streifen geräumt wurden.
Hier ein Video von heute, wo mir sogar ein Räumfahrzeug auf der Oswaldgasse – auch dazu gibt es bereits eine Beradelung – begegnet ist.
Auf den Nebenrouten hat die Räumung nicht so gut funktioniert, noch mehrere Tage später waren manche Strecken ein Schneechaos. Es gibt auch einige Lücken im Räumungsplan, die Strecken unmöglich machen.
Wie wir sehen konnten, sind auch die für das Radfahren gegen die Einbahn geöffnetes Straßen nicht unproblematisch. So sind viele Radstreifen nicht geräumt und bei den Kreuzungen blockieren Schneehaufen die Einfahrt.
Was ist mit euch, fährt ihr auch bei Schnee in der Stadt? Schreibt es mir doch unten in die Kommentare!
Wenn ihr euch bessere Bedingungen für das Radfahren wünscht, dann schreibt doch euren Bezirksvorstehys. Erwartet keine schnellen Änderungen, aber steter Tropfen höhlt den Stein.
Außerdem empfehle ich, Mitglied bei der Radlobby zu werden. Die Radlobby ist ein Verein, der sich auf verschiedenen Ebenen für bessere Bedingungen für das Radfahren einsetzt. Mit eurer Mitgliedschaft habt ihr verschiedene Vorteile wie eine Rechtsschutz-, Unfall- und Haftpflichtversicherung. Außerdem bekommt ihr jedes Quartal den Drahtesel - das österreichische Fahrradmagazin – zugesendet.
Danke, dass ihr bis zum Schluss des Videos dabeigeblieben seid. Wenn ihr die nächste Beradelung nicht versäumen wollt, dann abonniert doch meinen Kanal!