Innere Mariahilfer Straße | Beradelungen Wien 2025

Die Mariahilfer Straße in Wien ist seit 2015 Begegnungs- und Fußgehyzone. Bei der Engstelle einer U-Bahn-Baustelle wird über Konflikte diskutiert. Ob die Intervention hilft? Außerdem gibt es wieder viel Wissenswertes rund um diesen historisch bedeutsamen Ort! Kommt mit!

Transkript

Hallo, willkommen zur heutigen Beradelung!

Heute befinden wir uns auf der inneren Mariahilfer Straße. Hinter mir befindet sich die U-Bahn-Baustelle für das Kreuz der Linien U2 und U3. Hier wird über Konflikte zwischen Fußgänger*innen und Radverkehr berichtet. Das schauen wir uns heute an. Kommt mit!

Update Ende November: Die Stadt Wien hat jetzt Bodenmarkierungen aufgebracht, um die Wege besser zu leiten. Das schauen wir uns am Ende des Videos noch kurz an. Bleibt dran!

Zuerst ein Blick auf die Karte: Die Innere Mariahilfer Straße befindet sich westlich der Inneren Stadt.

Jetzt im Detail:

Da ich die Beradelungen nach Möglichkeit zwischen Knotenpunkten mache, starten wir schon am Ring, fahren die Babenberger Straße zum Museumsplatz, dann geht es über die Mariahilfer Straße bis zum Gürtel.

Die Infrastruktur ist recht unterschiedlich. An den Enden gibt es Straßen mit Einrichtungsradwegen, der Großteils der Mariahilfer Straße ist Begegungszone und in der Mitte ist ein Abschnitt Fußgehyzone.

Die Route führt vom Bezirk 1 Innere Stadt, entlang der Grenze zwischen 6 Mariahilf und 7 Neubau bis zum Bezirk 15 Rudolfsheim-Fünfhaus.

Wir fahren die Strecke in beide Richtungen um alle möglichen Details und Problemstellen zu sehen, dann bilde ich ein Fazit.

Die wichtigsten Verbindungen: Am Ring gibt es Verbindungen in die anderen Stadtteile. Der Gürtel verbindet mit seinem Radweg die westlichen Bezirke. In der Äußeren Mariahilfer Straße wird aktuell an einem Radweg gebaut, ein erster Abschnitt wurde im Sommer eröffnet. Auf die anderen Verbindungen werde ich während der Fahrt eingehen.

Wir starten am inneren Ringradweg und kommen gleich zur Querung zur Babenbergerstraße.

Der Ring – gebaut als repräsentative Paradestraße – wird leider vom lärmenden Kfz-Verkehr dominiert. Noch – Möglichkeiten und Initiativen zur Verkehrsberuhigung werde ich allerdings in einer eigenen Beradelung beleuchten – ich werde es dann in der Videobeschreibung verlinken!

In der Babenbergerstraße werden derzeit die Baumscheiben vergrößert, weswegen der stadtauswärtsführende Radweg gesperrt ist. Da hier die Benutzungspflicht aufgehoben ist, dürfen wir aber immer die Hauptfahrbahn benützen.

Ich finde, dass man der Babenbergerstraße ansieht, dass sie für größeres Aufkommen an Kfz-Verkehr designed wurde. Sie ist sehr gerade und breit, und wirkt dadurch dominant.

Wir kommen zur sogenannten Zweierlinie, der nächsten wichtigen Verkehrsader nach dem Ring. Neben der Fahrbahn gibt es beidseitige Einrichtungsradwege. Unter der Erde quert derzeit noch die Linie U2, künftig die Linie U5.

Rechts vor uns sehen wir das MuseumsQuartier, ein Areal mit verschiedenen kulturellen und gastronomischen Einrichtungen. Erbaut wurde das Gebäude bereits 1725 für die kaiserliche Hofstallungen. Nach dem ersten Weltkrieg wurde es zum Messepalast umfunktioniert. In den 1990ern wurde entschieden es zum Museumsquartier umzubauen, eröffnet wurde es 2001.

Wir sind endlich in der Mariahilfer Straße. Ab hier befinden wir uns in einer Begegnungszone mit 20km/h Beschränkung.

Diese Schikane aus Pflanztrögen und versenkbaren Pollern dient nicht (oder nicht nur) der Verkehrsberuhigung, sondern vor allem um Terrorattacken mit Lastwagen abzuwehren. Diese wurden 2017 nach Anschlägen in einigen europäischen Städten errichtet.

Das MuseumsQuartier steht direkt vor einer Geländekante, die von der Burggasse rechts und der Mariahilfer Straße links flankiert wird. Wir merken, dass es deutlich bergauf geht.

Von der Baustelle rechts werde ich auf der Rückfahrt erzählen.

Wie kam es dazu, dass hier eine Begegnungszone bzw. Fußgehyzone eingerichtet wurde? Diskutiert wurde über Verkehrsberuhigung schon lange, im rot-grünen Koalitionsabkommen 2010 wurde schließlich eine abschnittsweise Fußgehyzone vereinbart. Mit Sommer 2013 wurde diese testweise – also ohne Umbauten – eingerichtet. Eine Bürgybefragung Anfang 2014 ging knapp positiv aus, womit die Umgestaltung starten konnte. Diese wurde im Sommer 2015 abgeschlossen.

Erwartungsgemäß erntete das Projekt viel Kritik von autoaffinen Personen und Organisationen. Ein Geschäftesterben wurde prognostiziert und Verkehrschaos in den umliegenden Straßen.

Ein Blick in die Stiftgasse nach Norden, eigentlich die erste mögliche Radverbindung nach der Zweierlinie. Hier kommt man auch zur Radroute Lindengasse.

Wie bei den meisten Verkehrsberuhigungsmaßnahmen war die Wirkung ganz anders – Menschen mögen weniger Autoverkehr und kommen in Scharen. Das Verkehrschaos bleibt aus. Im Gegenteil, die Verkehrssicherheit verbesserte sich. Eine bereits 2018 durchgeführte Studie zeigt, dass die Unfälle durch den Umbau um ca. 2/3 zurückgegangen sind. Im Jahr 2012 gab es 51 Zusammenstöße, im Jahr 2017 nur 18.

Anderen gesellschaftlichen Entwicklungen konnte sich auch die Mariahilfer Straße nicht erwehren, z.B. leiden Geschäfte unter dem zunehmenden Onlinehandel. Dies ist eine stärkere Ursache für Leerstand, als der mangelnde Kfz-Verkehr.

Wir kommen zur U-Bahn-Baustelle, wo auch die auch die Fußgehyzone beginnt. In diesem Abschnitt ist es natürlich wirklich eng und wir müssen vorsichtig fahren.

Hier entsteht ein Zugang zur U2 Station Neubaugasse.

Durch diese Betonleitwände hat die Stadt Wien eine Art Fahrbahn geschaffen. Vielleicht wäre es eine Idee die Verkehrsmodi durch Pfeile zu steuern, so dass die Fußgehys tendenziell vor den Gebäuden gehen?

Nach der Baustelle wird es wieder entspannter.

Oh, ein Auto hat sich hierher verirrt. Das hat hier eigentlich nichts zu suchen.

Fußgehyzone bedeutet, dass wir jetzt im Schritttempo fahren müssen. Das, und die potentiellen Konflikte mit Fußgehys, sind für mich Gründe, Radrouten nach Möglichkeit an Fußgehyzonen vorbeizuleiten. Warum das im Falle der Mariahilfer Straße schwierig ist, werde ich beim Umdrehen beleuchten.

Heute ist ein wunderschöner herbstlicher Werktag im Oktober. Wir sehen, dass heute einiges los ist auf der Mariahilfer Straße.

An der Neubaugasse quert die Buslinie 13A. Dass sie hier in beide Richtungen fährt, ist erst seit dem U-Bahn-Bau so, zuvor mäanderte die Linie nordwärts durch andere Straßen. Zur Zeit des Mariahilfer Straßen Umbaus wurde ein Umbau zur Straßenbahn diskutiert, der mit Ankündigung des U2 Ausbaus begraben wurde. Leider, da der 13A vor allem Kurzstrecken Fahrgäste hat und daher kaum Überschneidungen zwischen den bedienten Relationen herrschen. Eine Umstellung des 13A auf größere Gelenkbusse hat die Fahrgast Situation allerdings etwas entspannt.

Hoi, hier ist ja wirklich viel Kfz-Verkehr. Die Zeit für Lieferverkehr ist schon längst vorbei, die Einfahrt ist nämlich nur bis 13:00 erlaubt.

Wichtig finde ich allerdings, dass Einkaufsstraßen mit dem Rad erreichbar sind. Viele Kund*innen kommen mit dem Rad oder radähnlichen Gefährten. Dies ist auch ein wichtiger Aspekt der Barrierefreiheit, da viele mobilitätseingeschränkte Personen noch passabel Radfahren können oder dem Fahrrad gleichgestellte Fahrzeuge nutzen. Auch für Eltern ist es eine große Erleichterung, wenn sie ihre Kinder am Fahrrad transportieren können.

Und noch ein Auto – ein Taxi. Auch für die ist die Zufahrt nur bis 13:00 erlaubt.

Damit kommen wir zum Ende der Fußgehyzone, ab hier ist die Straße wieder eine Begegnungszone mit 20km/h Beschränkung.

Seht ihr diese Ampelanlage? Das ist eine spezielle Bedarfsampel für blinde und sehbehinderte Personen, die aus der Angst eingerichtet wurde, dass diese die Fahrbahn in der Begegnungszone nicht sicher queren könnten. Nach Auslösung via RFID-Chip oder Euro-Key schaltet sie auf Rot. Insgesamt gibt es fünf Stück dieser Ampeln. Allerdings werden diese nicht viel verwendet, und wenn werden sie – laut Medienberichten – oft ignoriert.

Hier wird deutlich, dass die Mariahilfer Straße wirklich zu einer Begegnungszone wurde. Viele Menschen halten sich im Fahrbahnbereich auf oder queren gemütlich.

Wir sehen die westlichen U-Bahn-Zugänge zur U3 Station Zieglergasse. Auch hier gibt es die Stiegen und Rolltreppen auf beiden Straßenseiten, was sicherlich Sinn gemacht hat, als die Straße stark befahren war. Heute erscheint das eher seltsam.

Wir queren die wichtige Radroute Schottenfeldgasse – Webgasse. Hier herrscht meist auch viel querender Kfz-Verkehr, so auch heute. Nach rechts kann man relativ entspannt bis zur Alser Straße fahren, nach links bis zum Matzleinsdorfer Platz.

Für eine Baustelle gibt es eine weitere Verschwenkung der Fahrbahn. Hier ist recht klar geregelt, wo Fußgehys gehen sollen und wo die Fahrbahn ist. Das funktioniert auch sehr gut.

Das runde Kaufhaus rechts vor uns ist das La Stafa. Ursprünglich – 1911 – als Mariahilfer Zentralpalast mit über 100 kleinen Geschäften eröffnet. Es hat einige Male Besitzy gewechselt und wurde mehrmals umgebaut.

Vor der Kaiserstraße gibt es eine weitere Schikane aus Pflanztrögen und Pollern – welche aber heute heruntergefahren sind.

Damit sind wir am Ende der Begegnungszone angelangt, bis zum Gürtel fehlt aber noch ein Block – genannt Christian-Broda-Platz. Warum dieser nicht auch in die Begegnungszone einbezogen wurde, habe ich nie ganz verstanden.

Inzwischen wurde auch dieser Platz umgestaltet, nämlich im Jahr 2024. Dabei wurden statt der früheren Radstreifen Einrichtungsradwege errichtet, die allerdings erst nach dieser Aufstellfläche beginnen. Ich würde mir wegweisende Pfeile wünschen.

Rechts das Gleis der Schleife der Straßenbahnlinie 5.

Jetzt sind wir endlich am Gürtel. Mit dem Umbau wurden beidseitige Zweirichtungsradwege errichtet um je nach Ampelphase vorher oder nachher queren zu können. Nicht schlecht!

Hier, am Neubaugürtel, wurde heuer eine Protected Bike Lane errichtet. Diese habe ich bereits beradelt! Link in der Videobeschreibung.

Die Radwege in der äußeren Mariahilfer Straße werden wir uns ansehen, wenn sie fertig sind – das wird noch einige Zeit dauern.

Und hier sehen wir wieder, wie wichtig die eigenständigen Gleiskörper am Gürtel sind – nämlich als Überholspur für die Einsatzkräfte, die damit an Staus vorbei fahren können.

Tja, Pech für uns, wir haben damit die Grünphase verpasst.

Hinter den Bäumen versteckt sich der Westbahnhof, wo allerdings nur noch Regionalverkehr sowie Fernverkehr der privaten Westbahn fährt.

Vor uns sehen wir übrigens das Möbelhaus IKEA, das 2021 fertiggestellt wurde. Es ist das weltweit erste autofreie Haus der Kette. Auffällig ist die begrünte Fassade, in die 160 Bäume integriert wurden. Weiters befindet sich in den oberen Stockwerken ein Hostel und die Dachfläche ist ohne Konsumzwang nutzbar.

Bevor wir zurück in die Innenstadt fahren, werfen wir einen Blick auf das Hauptradverkehrsnetz der Stadt Wien.

Die Mariahilfer Straße ist eine Route des Grundnetzes, also der zweiten Kategorie.

Ihre Bedeutung ist aber viel größer, da die parallelen Routen Probleme haben.

Die Route Lindengasse – Stollgasse wäre gut zu fahren, ist aber wegen U-Bahn-Bau unterbrochen, außerdem fehlt noch eine Einbahnöffnung vor dem Gürtel.

Westbahnstraße – Siebensterngasse ist zwar Basisroute, allerdings eine Schienenstraße. Außerdem ist das stadtinnere Ende wirklich unangenehm.

Burggasse und Neustiftgasse haben freigegebene Busspuren, sind aber ziemliche Autohöllen.

Erst die Pfeilgasse ist eine gute Alternative – übrigens schon auf meinem Kanal portraitiert!

Die Gumpendorfer Straße hat viel Kfz-Verkehr und mehr Höhenunterschiede, ich fahre dort ungern.

Manche Teile der Gumpendorfer Straße könnte man umfahren, allerdings fehlen noch Einbahnöffnungen.

Der Wientalradweg – schon sehr weit weg – ist derzeit wegen U-Bahn-Bauarbeiten unterbrochen.

Die Umleitung über die Mollardgasse hätte das Potential zu einer Fahrradstraße zu werden, wie ich schon in einem anderen Video gezeigt habe.

Das erklärt, warum die Mariahilfer Straße trotz Fußgehyzone so wichtig für den Radverkehr ist.

Und damit warten wir wieder am Gürtel.

Den Abschnitt des Gürtels von hier bis zur Josefstädter Straße habe ich heuer bereits beradelt. Link in der Videobeschreibung!

Durch den Christian-Broda-Platz Umbau kam hier eine Baumreihe hinzu.

Nach rechts zweigt der Gürtelradweg nach Süden ab. Dessen Beradelung verlinke ich auch in der Videobeschreibung!

Wir haben eine grüne Welle, also geht es gleich weiter.

Jetzt sehen wir den Christian-Broda-Platz etwas besser, der – wie gesagt – im Jahr 2024 neu gestaltet wurde. Es gibt jetzt deutlich mehr Begrünung und angenehm helles und einladendes Pflaster.

Die vorige Neugestaltung war weniger als 20 Jahre alt – das rote Stangelwerk war wohl nicht so gelungen.

Benannt ist der Platz nach Christian Broda 1916-1987, Jurist und Politiker. Er war in der Nazizeit kommunistischer Widerstandskämpfer.

Zur Begegnungszone fahren viele über den Gehsteig an der Schikane vorbei.

Unter der inneren Mariahilfer Straße fährt die U-Bahn-Linie U3 mit den Haltestellen Westbahnhof, Zieglergasse und Neubaugasse. Am stadtinneren Ende gibt es außerdem die U2 Station Museumsquartier, die ab voraussichtlich 2030 von der U5 übernommen wird. Die Neubaugasse wird dann zur Umsteigestation mit der U2.

Bevor unter der Mariahilfer Straße die U-Bahn fuhr, fuhren natürlich oberirdisch Straßenbahnen. Sogar während des U-Bahn-Baus, der in offener Bauweise erfolgte, blieb der Betrieb großteils aufrecht.

Eröffnet wurde die Straßenbahnstrecke als eine der ersten Wiens 1870, damals natürlich noch mit Pferden betrieben. Um 1900 wurde die Strecke schließlich elektrifiziert. Sie entwickelte sich zu einer der meist befahrenen Strecken. 

Ich finde es schade, dass hier keine Straßenbahn mehr fährt, gerade für Fahrten zwischen Geschäften, würde sie ein gutes, barrierearmes Angebot bieten. Dafür ist der Weg in den Untergrund zur U-Bahn viel zu umständlich.

Im Gegenzug hätten die Stationen Zieglergasse und Neubaugasse zusammengelegt werden können. Nun, das kann natürlich nicht mehr geändert werden, aber wer weiß, vielleicht kommt die Straßenbahn eines Tages wieder!

Mit der Zeit breitet sich die Begegnungszone immer mehr in die umliegenden Straßen aus. So z.B. die Otto-Bauer-Gasse, wo bereits 2019 bis zur nächsten Straße umgestaltet wurde.

Wir kommen jetzt wieder zur Fußgehyzone. Ich finde den Übergang viel zu unauffällig, der Verkehr sollte durch die Gestaltung weggelotst werden. Da wundert es mich nicht, dass viele Kfz-Fahrys hier weiterfahren.

Nochmal zurück zur Otto-Bauer-Gasse: Im Konzept zur Umgestaltung der Gumpendorfer Straße wurde die Idee einer Radroute über die Hofmühlgasse zum Margaretenplatz aufgebracht. Dies würde in Kombination mit der Otto-Bauer-Gasse eine tolle Verbindung zwischen den Bezirken ergeben, besser als die Esterházygasse, an der wir gerade vorbeigefahren sind.

Ich hoffe, dies kommt wirklich, weil die Umgestaltung der Gumpendorfer Straße wurde aus budgetären Gründen leider abgesagt, bzw. kommt nur abschnittsweise.

Vor uns befindet sich der Bundesländerplatz, der 1990 als Zeichen der Solidarität mit den anderen österreichischen Bundesländern so genannt wurde.

Ein Blick über die Schadekgasse zum Haus des Meeres, das in einen ehemaligen Flak-Turm aus dem zweiten Weltkrieg gebaut wurde. Er wurde genutzt um angreifende Flugzeuge abzuwehren - Flak bedeutet Fliegerabwehr-Kanone.

Wir sehen, hier in der Fußgehyzone geht es sehr entspannt zu. Klar, es gibt Tage wo mehr Personen unterwegs sind. Es herrscht ein menschliches Tempo. Es gibt Radfahrys, die zu schnell fahren, aber ich finde, sie fahren den Bedingungen angepasst und bremsbereit.

Eine Bewusstseinskampagne würde sicherlich helfen, die Disziplin in der Fußgehyzone zu verbessern, und Maßnahmen um den Kfz-Verkehr effektiv auszuschließen, wir haben gesehen, das funktioniert noch nicht so gut.

Ich mag die Pflasterung hier, dadurch wirkt der Raum hochwertiger. In der Begegnungszone ist das Pflaster durch den Kfz-Verkehr zum Teil schon sehr kaputt und musste durch Asphalt ersetzt werden. Ich hoffe, dass es bald saniert wird.

Rechts sehen wir die Mariahilfer Kirche die auf eine Friedhofskapelle aus dem Jahr 1660 der Barnabiter zurückgeht. Damals hieß der Grund noch „Im Schöff“.

Der Platz davor wurde nach der Historikerin Erika Weinzierl 1925-2014 benannt. Als Zeitgeschichtsforscherin befasste sie sich kritisch mit der Rolle Österreichs im Nationalsozialismus.

Das Gebäude links ist das Kaufhaus Gerngroß, dass ursprünglich 1904 von Alfred Gerngroß gegründet wurde.

Nach rechts geht die Raimundhofpassage. Das ist ein Durchhaus, d.h. ein Durchgang durch Häuser und deren Innenhöfen zwischen Straßen. Ob ich vielleicht einmal eine Begehung machen sollte?

Der Weg der Mariahilfer Straße lässt sich bis in vorgeschichtliche Zeit zurückverfolgen. Parallel zur Gumpendorfer Straße, die zum Teil eine antike Römerstraße war, wurde sie hochwassersicher angelegt. Ab dem Mittelalter bildete sie die Verbindung Richtung Linz und wurde immer weiter verbaut.

Links die Stiftskirche, erbaut vermutlich nach einem Entwuf von Johann Fischer von Erlach 1739 für das zweite Chaossche Stiftungshaus. Dies war ein Waisenhaus für Knaben, welches von Johann Konrad Richthausen von Chaos gegründet wurde. Dort befindet sich jetzt die Stiftskaserne.

Nach rechts geht es unter anderem zur Windmühlgasse, wo eine Einbahnöffnung zur Gumpendorfer Straße gefordert wird. Immerhin ist sie so weit geöffnet, dass man über die Fillgradergasse ins und vom Wiental radeln kann.

In der nächsten Kreuzung stand bis 1906 die barocke Laimgrubenkirche. Eine Replik in der Windmühlgasse wurde gebaut bevor diese abgerissen wurde.

Links sehen wir eines der unrühmlichen Kapitel der österreichischen Wirtschaft und ihrer Korruption. Hier stand früher der „Leiner“, ein Möbelhaus, errichtet bereits 1895.

Um eine Insolvenz abzuwehren, wurde es in einer Nacht-und-Nebel-Aktion um Weihnachten 2017 von René Benko und seiner Signa gekauft. Der wollte das Gebäude durch ein einen modernen Bau mit Glasfassaden ersetzen.

Diverse Gesetze zum Schutz historischer Gebäude konnten dies leider nicht verhindern. Der WienSchauen Blog beleuchtet die historische Bedeutung des Gebäudes, Link in der Videobeschreibung. Nach der Signa Insolvenz stoppten die Bauarbeiten. Aktuell wird der Rohbau abgerissen um ein anderes Gebäude mit Wohnungen und Geschäften zu errichten.

Der Platz der Menschenrechte erinnert an die universelle Gültigkeit dieser. Hier steht seit 2003 ein Mahnmal von Ulrike Truger, welches an Marcus Omofuma erinnert, der bei einem Abschiebeflug durch Fesselung und Knebelung zu Tode kam.

Die Kreuzung mit dem Getreidemarkt ist gefährlich. Hier 2024 wurde ein Radfahrer von einem abbiegenden Autofahry übersehen und getötet. Die Stadt hat leider nur mit einer Rotfärbung der Fahrbahn reagiert.

Die Nibelungengasse ist eine wichtige Radroute parallel zum Getreidemarkt – zumindest war sie das, bis die dortigen Radwege endlich durchgängig gemacht wurden, was erst im Frühjahr diesen Jahres geschah.

Seit dem Umbau der Mariahilfer Straße fahren hier nur noch wenig Autos. Warum im aktuellen Umbau nur die Randflächen aufgewertet werden und nicht eine komplett umgestaltet wird, ist mir nicht bekannt. Es könnte budgetäre Ursachen haben, oder es ist den Verantwortlichen einfach egal.

Diese kleinen beklebten Gebäude waren früher die Zugänge zu einer Unterführung. Damit der Autoverkehr ungestört fließen kann, wurden in den 1950ern die Zebrastreifen abgeschafft. Allerdings sind Unterführungen Barrieren und Angsträume, darum ist es richtig, dass sie obsolet wurden. Jetzt ist hier ein unterirdisches Lokal.

Damit kommen wir wieder zum Ring. In einem ersten Schritt werden hoffentlich die Radwege – soweit möglich – auf die Nebenfahrbahnen verlegt.

Damit sind wir am Ende unserer heutigen Beradelung angekommen. Wenn ihr die Beradelungen des Rings nicht versäumen wollt, dann abonniert doch meinen Kanal!

Wie am Anfang des Videos angekündigt, sehen wir uns jetzt noch die neugestaltete Engstelle bei der U-Bahn-Baustelle an.

Der Bereich in dem Rad gefahren werden soll, wurde mit blauen Punkten versehen, außerdem wurde „Langsam fahren!“ aufgemalt, sowie in einige Punkte 5 km/h geschrieben. Der bevorzugte Gehbereich ist durch einzelne gelbe Strichfiguren hervorgehoben. Die trennenden Betonleitwände wurden entfernt, was das Ausweichen natürlich leichter macht und den Raum offener gestaltet.

Nun, die Trennung scheint tatsächlich zu funktionieren. Die Fußgehys tendieren tatsächlich zum Gehsteig, der Bereich ist freier.

Womit ich nicht glücklich bin sind die 5 km/h. In der STVO ist nur Schrittgeschwindigkeit für Fußgehyzonen festgelegt, das ist nicht genauer definiert. Es gibt aber Gerichtsurteile, bei denen 5 oder 10 km/h angewendet wurde. Ich finde es schwer so langsam zu fahren. Das niederländische CROW Manual geht sogar davon aus, dass eine Geschwindigkeit unter 12 km/h die Verkehrssicherheit senkt, da mehr Konzentration für Balance aufgebracht werden muss.

Vor der Mariahilfer Kirche steht übrigens ein Denkmal. Es gedenkt dem Komponisten der Wiener Klassik Joseph Haydn 1732-1809 und wurde 1887 von Heinrich Natter gestaltet.

Ich denke, die neuen Bodenmarkierungen sind eine gute Intervention, die dabei helfen wird, die Situation zu entspannen.

Mein Fazit:

Auch wenn die Mariahilfer Straße durch den Umbau 2015 zu einer Fußgehyzone wurde, hat sich die Situation für den Radverkehr dadurch deutlich verbessert. Wie vorher ausgeführt, finde es wichtig, in der Mariahilfer Straße weiterhin radfahren zu dürfen.

Verbesserungen für den Radverkehr in den parallel führenden Straßen, die den Rad-Durchzugsverkehr möglicherweise in diese verlagern, würden die Situation natürlich entspannen. Vor allem die Route Lindengasse – Stollgasse würde sich anbieten, nach Beendigung der U-Bahn-Bauarbeiten zur Fahrradstraße umgebaut zu werden.

Was sagt ihr zu der Situation auf der Mariahilfer Straße? Schreibt es mir doch unten in die Kommentare!

Wenn ihr euch bessere Radinfrastruktur wünscht, dann schreibt doch euren Bezirksvorstehys. Erwartet keine schnellen Änderungen, aber steter Tropfen höhlt den Stein.

Außerdem empfehle ich, Mitglied bei der Radlobby zu werden. Die Radlobby ist ein Verein, der sich auf verschiedenen Ebenen für bessere Bedingungen für das Radfahren einsetzt. Mit eurer Mitgliedschaft habt ihr verschiedene Vorteile wie Rechtsschutz-, Unfall- und Haftpflichtversicherung. Außerdem bekommt ihr jedes Quartal den Drahtesel - das österreichische Fahrradmagazin – zugesendet.

Danke, dass ihr bis zum Schluss des Videos dabeigeblieben seid. Wenn ihr die nächste Beradelung nicht versäumen wollt, dann abonniert doch meinen Kanal!

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