Hallo, willkommen zur heutigen Beradelung!
Heute befinden wird am Südgürtel beim Matzleinsdorfer Platz. Aber, wo ist hier eigentlich der Radweg? Es gibt keinen! Wir müssen eine Umfahrung durch Nebenstraßen fahren. Das schauen wir uns heute an. Kommt mit!
Zuerst ein Blick auf die Karte.
Der Gürtel geht in einem Halbkreis um die westlichen inneren Bezirke herum, es schließen die äußeren Bezirke an. Der ganze Gürtel ist zu lange für eine Beradelung, ich beradle ihn also in Abschnitten.
Heute schauen wir uns einen Teil des Südgürtels an, bzw. dessen Umfahrung.
Jetzt im Detail:
Wir starten am Wiedner Gürtel bei der Argentinierstraße, fahren vor dem Hauptbahnhof vorbei zum Südtiroler Platz. Dort führt uns die Favoritenstraße zur Umfahrung über Schelleingasse, Gassergasse, Hollgasse, Wiedner Hauptstraße, Reinprechtsdorfer Straße, Leopold-Rister-Gasse fahren um endlich wieder zum Gürtel in die Nebenfahrbahn zu kommen. Bei der Einsiedlergasse wechseln wir in den Mittelbereich und kommen dann auch zum Ende bei der Eichenstraße.
Und dann fahren wir die Strecke wieder zurück, um alle möglichen Details und Problemstellen zu sehen, dann bilde ich ein Fazit.
Die Strecke ist etwa 2,8km lang, 500m länger als notwendig.
Die wichtigsten Verbindungen:
Natürlich führt der Gürtelradweg in beide Richtungen weiter.
Die Argentinierstraße und deren Weiterführung nach Süden ist Teil des Rad-Highway Süd.
Beim Matzleinsdorfer Platz führt die Wiedner Hauptstraße ins Zentrum, der Triester Straße und Gudrunstraße stadtauswärts fehlen leider sichere Radwege.
Auf die anderen Verbindungen werde ich während der Fahrt eingehen.
Jetzt geht’s los!
Wir passieren gleich als erstes den Rad-Highway Süd, nach Rechts geht es zur Argentinierstraße.
Zu Beginn befinden wir uns auf einem baulich getrennten Radweg auf der stadtauswärtigen Seite des Gürtels.
Nach einem kurzen Stück Radweg kommen wir auf eine Fahrbahn, wo wir aber nur mit städtischen Bussen rechnen müssen.
Zur Linken befindet sich der Haupteingang zum Hauptbahnhof.
Obwohl die Vollinbetriebnahme erst 10 Jahre her ist, wird bereits heuer der Vorplatz umgestaltet: der Platz wird teilweise entsiegelt und Bäume werden gepflanzt. Außerdem soll dieser Weg zu einem Zweirichtungsradweg ausgebaut werden.
Zu der Umfahrung in der Schelleingasse müssen wir jetzt über den Südtiroler Platz fahren.Wegweiser gibt es dazu keinen. Um die Sache zu verkomplizieren gibt es verschiedene Varianten den Platz zu queren. Ich habe mich entschieden, auf der stadteinwärtigen Seite der Favoritenstraße zu bleiben und erst bei der Schelleingasse abzubiegen.
Erstes Rot bei der Straßenbahnquerung.
Der Südtiroler Platz erinnert an den Friedensvertrag von Saint-Germain 1919, in dem Südtirol Italien zugesprochen wurde. Zuvor und bis 1927 wurde er Favoritenplatz genannt.
Zweite Ampel ist Grün.
Dritte Ampel ist wieder Rot, die nächste haben wir soeben auf Rot hüpfen sehen.
Vierte Ampel ist leider noch immer Rot, die Zebrastreifen haben Grün.
Links auf den Lüftungstürmen der U-Bahn sehen wir neongrüne Skulpturen. Es handelt sich um ein Kunstwerk von Michael Sailstorfer aus dem Jahr 2016, „Hauptweg und Nebenwege“. Es soll die Bedeutung des Platzes als Verkehrsknotenpunkt widerspiegeln.
Jetzt darf der querende Kfz-Verkehr fahren.
Endlich sind wir über die Ampelkaskade drüber! Insgesamt haben wir ca. 1 Minute 45 Sekunden warten müssen. Hier eine Optimierung der Schaltung zu erreichen, wäre wirklich wichtig.
Wir kommen endlich zur Schelleingasse, wo wir links abbiegen.
Angenehm sind die Fahrbahnteiler, die uns ampelfrei queren lassen.
Die Favoritenstraße steht auch im geplanten Hauptradverkehrsnetz. Mir sind aber keine Planungen bekannt, sie für das Radfahren angenehm zu machen.
Die Schelleingasse wurde im Jahr 2022 zu einer fahrradfreundlichen Straße umgestaltet, was unter Anderem an den großen Piktogrammen erkennbar ist. Fahrradfreundlich ist eine von der Stadt Wien erfundene Bezeichnung ohne rechtliche Relevanz, eigentlich ist es eine ganz normale Straße.
Zur Rechten sehen wir ein Mural von Jana&JS nach einem Gemälde des niederländischen Malers Jan Miense Molenaer aus dem 17. Jahrhundert – „Bauerngesellschaft in einer Scheune“.
Man sieht, hier ist einiges an Radverkehr!
Mit der Fahrradfreundlichkeit wurden einige wichtige Maßnahmen gesetzt, z.B. die Kreuzungen durch Gehsteigvorziehungen, Aufdoppelungen und Vorrang verbessert, Radbügel installiert sowie einige Bäume gepflanzt.
Allerdings wird der Straßenraum weiterhin durch die vielen abgestellten Kfz dominiert, sogar schrägparkende. Das kann besonders unerfahrene Radfahrys und Kinder vom Fahren abhalten, stellt dies doch ein Sicherheitsrisiko dar.
Mit der Blechturmgasse verlassen wir den 4. Bezirk Wieden und kommen in den 5. Bezirk Margareten. Auch der Straßenname wechselt, sie heisst jetzt Gassergasse.
Damit endet auch die fahrradfreundliche Gestaltung, zum Beispiel müssen wir an Kreuzungen jetzt auf den Rechtsvorrang achten.
Benannt ist die Gassergasse nach Hanns Gasser 1817-1868, einem Bildhauer und Maler. Er hat viele Skulpturen für Denkmäler und Brunnen in Wien gestaltet, z.B. die Brunnen neben der Staatsoper.
Die Wohnhausanlage nach der Laurenzgasse links ist nach ihm benannt: der Hanns-Gasser-Hof.
Der nächste Abschnitt der Gassergasse ist eine Wohn- und Spielstraße, d.h. es ist nur Schritttempo erlaubt, Radfahrys dürfen gegen die Einbahn fahren. Der Kfz-Verkehr darf zu- und abfahren aber nicht durchfahren.
Wohnlich ist es hier leider nicht, die Straße dient vor allem als Lagerplatz für abgestellte Kfz. So lange es nicht physisch unterbunden ist, wird sie als Schleichweg für den Kfz-Verkehr genutzt werden.
Wir queren die Kliebergasse, was uns wieder von Verkehrsinseln erleichtert wird. Nach links können wir die Südbahn nach Favoriten unterqueren und weiter Richtung Sonnwendviertel fahren. Nach dem Gürtel werden aktuell beidseitige Einrichtungsradwege gebaut. In der Kliebergasse gibt es aktuell nur unangenehme Mehrzweckstreifen neben abgestellten Kfz. Hoffentlich wird sie auch aufgewertet.
Über die weiterführende Zentagasse könnte eine Radroute bis zum Margaretenplatz entstehen. Eine Initiative kämpft für Verkehrsberuhigung und Einbahnöffnung.
Oh, ein Müllauto. Und wegen der schrägparkenden Kfz kommen wir auch nicht vorbei. Ich kürze euch die Wartezeit ab.
Und wieder eine Wohnstraße.
Rechts befindet sich zwei Schulen: eine Volksschule und eine Mittelschule mit zusammen über 500 Schülys. Durch eine Verschwenkung der Fahrbahn wurde ein kleiner Vorplatz geschaffen, auf dem es auch Sitzgelegenheiten gibt. Bäume spenden im Sommer schönen Schatten.
Auch wenn das besser ist als bei vielen Wiener Schulen, finde ich es für 500 Schülys minimalistisch. Schulen sollten autofreie Vorplätze haben, um sichere Schulwege und einen angenehmen Lebensraum zu bieten. Kinder, die zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen, können sich besser konzentrieren und sind gesünder.
Unser direkter Weg parallel zum Gürtel wird leider durch Bebauuung unterbrochen, wir müssen jetzt nach Rechts über die Hollgasse zur Wiedner Hauptstraße fahren.
Namensgeberin der Hollgasse ist die Wohltäterin Maria Holl 1821-1900, die eine Stiftung für Waisenkinder errichtete.
Geradeaus weiter führt die Spengergasse nordwärts durch den Bezirk – auch eine wichtige Radroute. Allerdings ist die Radroute derzeit wegen einer Baustelle für die U2 beim Bacherpark unterbrochen.
Durch die Häuserschlucht sieht man bis zum Kahlenberg. Ich liebe es, wenn man in die Ferne sehen kann.
Über das große Kreuzungsplateau biegen wir nach Links auf den Einrichtungsradweg in der Wiedner Hauptstraße ab. Diese Radwege aus dem Jahr 2005 habe ich bereits portraitiert – Link in der Videobeschreibung!
Die Radwege entsprechen nicht mehr den aktuellen Standards, Straßenmöblierung steht viel zu knapp am Radweg. Außerdem ist der Radweg zu schmal zum überholen, was wichtig wäre, da im Radverkehr sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten gefahren werden.
Wir kommen zur Reinprechtsdorfer Straße. Gleich links befindet sich der Matzleinsdorfer Platz mit der großen Baustelle für die U-Bahn-Linie U2.
Ohne Baustelle ist dieser nicht viel schöner. Seine Verkehrsfunktion hat ihn jeglicher Aufenthaltsqualität beraubt.
Eigentlich würde unsere Route geradeaus weiter in die Grünwaldgasse führen, allerdings ist diese wegen der Baustelle gesperrt.
Wir müssen die Reinprechtsdorfer Straße queren und rechts über einen temporären Radweg zur Leopold-Rister-Gasse fahren.
Na endlich, jetzt haben wir auch Grün.
Weiter nördlich ist die Reinprechtsdorfer Straße für das Radfahren gegen die Einbahn geöffnet, leider nicht durchgehend.
In der Leopold-Rister-Gasse wurde 2022 dieser Radweg gebaut. Er war Teil einer Aufwertung der Kohlgasse, einer parallelen Straße zur Reinprechtsdorfer Straße um eine Route zwischen Matzleinsdorfer Platz und Wiental zu schaffen.
Wir können jetzt entweder über die Fußgehyzone links zur Grünwaldgasse fahren, oder geradeaus weiter über die Fahrbahn. Geradeaus ist schneller.
Zur Kohlgasse geht es jetzt rechts.
Wir fahren jetzt durch die größte Wohnanlage Margaretens, dem Gemeindebau Theodor-Körner-Hof aus den 1950er Jahren mit über 1300 Wohnungen. Benannt ist sie nach dem Bürgermeister Wiens und ersten direkt gewählten Bundespräsidenten Theodor Körner 1873-1957.
Damit kommen wir endlich wieder zum Gürtel. Zuerst bleiben wir noch in der Nebenfahrbahn.
Schrecklich finde ich diesen Gehsteig rechts, der durch Gehsteigparkplätze eingeengt wird. Als ob der Gürtel nicht eh schon genug durch Autos belastet wäre.
Unser Weg führt jetzt nach Links in die Mittelzone.
Die Gürtelfahrbahn kriegt gleich Rot – jetzt kommen wir sicher bald dran, oder?
Und wieder kriegt die Gürtelfahrbahn Grün. So ein Sch…
Wahrscheinlich hat mich die Ampel-Anmeldung nicht erkannt.
Die Fußgehys hatten allerdings Grün. Jetzt verstehe ich, warum die meisten Radfahrys hier über den Zebrastreifen fahren.
D.h. aber auch, dass man die Querung in eine gemischte Geh-/Rad-Querung umbauen könnte.
Jetzt steht neben mir ein Auto, hoffentlich kommen wir bei der nächsten Phase dran.
Das Fußgehy schaut auch ziemlich gelangweilt drein.
Na endlich! 3:15 mussten wir insgesamt warten!
Die Mittelzone ist auch nicht sehr angenehm, wir fahren jetzt nämlich über einen Parkplatz.
Habt ihr hier am Gürtel schon einmal gezählt, wieviele Spuren dem Kfz-Verkehr zur Verfügung stehen – inklusive Parkspuren? Es sind 16 Stück!
Am westlichen Ende kommen wir auf einen viel zu schmalen gemischten Geh- und Radweg. Hauptradrouten sollten vom Fußgehy-Verkehr deutlich getrennt sein, da dies nur Konflikte verursacht.
Die RVS – Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen – empfehlen gemischte Geh- und Radwege nur bei sehr geringer Fußgehy-Frequenz: weniger als 30 Personen pro Stunde.
Und damit kommen wir endlich zur Eichenstraße (links). Zum krönenden Abschluss müssen wir noch einen Slalom mit extrem engen Kurven bewältigen. Zumindest haben wir Glück und es ist Grün.
Die Eichenstraße mit ihrer Protected Bike Lane habe ich bereits in einem Video portraitiert, wie auch den weiterführenden Gürtelradweg durchs Wiental bis zum Westbahnhof. Links in der Videobeschreibung!
Und jetzt fahren wir das Ganze retour, wo ich Euch etwas über die Geschichte des Gürtels erzählen werde.
Während ich das Rad umdrehe, werfen wir einen Blick auf das Hauptradverkehrsnetz der Stadt Wien.
Der Gürtel-Radweg ist eine geplante Route des erweiterten Grundnetzes. Die gefahrene Route – abgesehen von unserer Baustellen-Umleitung – ist eine Basisnetz-Route, also höchste Priorität.
Ich bin aber sicher, dass die Basisnetz-Route auf den Gürtel-Radweg gelegt wird, sobald ein Lückenschluss umgesetzt wird.
Interessant finde ich, dass die Gürtel-Radweg-Route im Herbst 2025 verschoben wurde. Zuvor gingen die Planungen wohl von einer Führung entlang der Bahn aus.
Mit der Änderung wurde die Route von Westen bis zum Matzleinsdorfer-Platz in die Mittelzone verlegt und ab dort in die nördliche Nebenfahrbahn.
Das finde ich auch sinnvoll so, da dadurch die vielen Wohnbauten eine direkte Anbindung an das Radwege Netz vor der Tür haben.
Dass diese Änderung erfolgt ist, deutet für mich darauf hin, dass eine Umsetzung näher kommt, ich hoffe mit Ende der U-Bahn-Bauarbeiten.
Zur Linken sehen wir einige große Gemeindebauten aus den 1920er Jahren. Dazwischen führt die Fendigasse durch, die Richtung Stadt über Siebenbrunnengasse sowie stadtauswärts über Eichenstraße, Bhf Meidling und weiter entlang der Südbahn zum Rad-Highway ausgebaut werden soll. Da bin ich sehr gespannt darauf!
Der Gürtel ging im späten 19. Jahrhundert aus dem Linienwall hervor. Dieser war Anfang des 18. Jahrhundert als vorgelagerte Befestigungsanlage um die Vorstädte errichtet worden, diente aber vor Allem als Steuergrenze.
Es handelte sich um einen mit Palisaden verstärkten Erdwall mit vorgelagertem Graben. Die 12 Tore wurden „Linien“ genannt.
Nach ihrem Abbruch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Gürtelstraße angelegt. Beim Südgürtel dauerte dies etwas länger, bis ca. 1910.
Ab den 1950ern wurde der Gürtel immer mehr dem zunehmenden Kfz-Verkehr angepasst. Aber dazu später mehr.
Ich bin mir nicht sicher, ob auf diesem Parkplatz eine Einbahn-Regelung gilt, ich kann keinen Hinweis darauf erkennen. Ich fahre trotzdem rechts herum.
Nach rechts zweigt ein Radweg ab. Über diesen kommen wir allerdings nur zu diesem Gewerbepark rechts mit Tankstellen, Kfz-Werkstätten und Fast Food Restaurants.
Ein Wegweiser nach Links schickt uns zur Reinprechtsdorfer Straße. Es geht aber auch sonst nicht weiter hier.
Ein Links- und Geradeausgebot. Nachdem ihr mit mir schon hierhergeradelt seid, wisst ihr wohin wir fahren müssen: nämlich nach Rechts in die Nebenfahrbahn.
Die begrünte Fassade auf dem Haus vor uns sieht leider etwas traurig aus. Es handelt sich um die Zentrale der Magistratsabteilung MA48, der städtischen Müllabfuhr.
Wieder nach langer Wartezeit können wir endlich weiterfahren. Wegweiser gibt es keinen.
Der Theodor-Körner-Hof, zu dem die Gebäude links gehören, wurde auf dem 6ha großen Gelände des ehemaligen Heu-, Stroh- und Pferdemarkts errichtet.
Diese Einbahnöffnung ist sehr schmal. Unangenehm. Wenn es nur Platz zum Umverteilen gäbe.
Für das Abbiegen in die Leopold-Rister-Gasse hat sich die Stadt Wien ein besonderes Schmankerl überlegt: Ein schmale und enge Verschwenkung!
Wer es schafft, hier nicht die Sperrfläche zu berühren kriegt Bonuspunkte!
Diesmal folge ich dem zum Zentrum zeigenden Wegweiser und biege rechts in die Grünwaldgasse ab.
Links sehen wir das Matzleinsdorfer Hochhaus, das Zentrum des Theodor-Körner-Hofs und erste Hochhaus der Gemeinde Wien.
Leider endet unser Weg nach 100m an einem Sackgassen-Schild. Wir erinnern uns: Die nächste Kreuzung ist wegen der Baustelle gesperrt.
Damit wir nicht anstehen, dürfen wir die Fußgehyzone beradeln. Achtung: Schritttempo!
Mitten in der Fahrlinie steht das Radweg-Schild für die Leopold-Rister-Gasse. Wir dürfen jetzt wieder flotter fahren!
Rechts sehen wir das Jugendzentrum „5er Haus“ mit typischen Wandmalereien.
Oberhalb der Durchfahrt sehen wir Relieffriese aus den 1950ern von Fritz Wotruba. Leider sind sie auf dieser Seite schon sehr verwittert, bei der Hinfahrt haben wir die besser erhaltene Seite gesehen.
Angenehm. Den Zebrastreifen können wir ohne Ampel queren. Und wir haben sogar Grün und können ohne Halten über die Wiedner Hauptstraße fahren.
Die Kanten bei der Schusswallgasse sind noch immer in erbärmlichen Zustand. Laut Anfrage nach meinem Wiedner Hauptstraßen-Video werden diese erst nach Beendigung der U-Bahn-Bauarbeiten saniert.
Ein Grünpfeil ermöglicht uns das Abbiegen in die Hollgasse auch – nach Halt – bei Rot.
Bei der Einfahrt in die Gassergasse sehen wir den ersten Wegweiser zum Hauptbahnhof! Vorsicht: Wohnstraße, Schritttempo.
Ich wollte euch noch von der Geschichte des Matzleinsdorfer Platzes erzählen.
Der Matzleinsdorfer Platz wurde im Jahr 1906 benannt um an der Namen des Vorortes Matzleinsdorf zu erinnern, der 1850 nach Wien eingemeindet wurde. Zuvor stand hier das Matzleinsdorfer Tor des Linienwalls.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Platz dem zunehmenden Kfz-Verkehr angepasst, zuerst mit einer zweispurigen Unterführung 1951. In den 1960ern wurde der Platz grundlegend umgebaut: die Unterführung wurde auf vier Spuren ausgebaut und eine Schnellbahnstation errichtet. Die Straßenbahn wurde unter die Erde verlegt – die Unterpflasterstraßenbahn (kurz: Upflastraba oder Ustrab) war geboren.
Mit der Umstellung wurden die Strecken Reinprechtsdorfer Straße und Gudrunstraße eingestellt, die Strecke Triester Straße in die Knöllgasse und die obere Wiedner Hauptstraße unter Kliebergasse und Margaretengürtel verlegt.
Aus meiner Sicht dient die unterirdische Führung ausschließlich dem Kfz-Verkehr.
Die Fahrzeiten sind höchstens minimal schneller, dafür bedeutet es für die Fahrgäste wesentlich längere Fußwege und Einschränkungen der Barrierefreiheit, auch wenn inzwischen an allen Stationen Lifte nachgerüstet wurden. Außerdem bilden die dunkeln Gänge Angsträume.
In der Wohnstraße nach der Kliebergasse sehen wir gut, wie sie als Schleichweg missbraucht wird. Dies ist – wie erwähnt – win übliches Problem. Ich denke die wirksamsten Maßnahmen zur Eindämmung wären Sackgassen-Regelungen oder Schleifenlösungen.
Die Darstellung des Projektes zeitlinie.at zeigt gut den Kahlschlag, der in den 1960ern an der Straßenbahninfrastruktur vorgenommen wurde.
1955 war das Netz noch vollständig. 1960 begann der Abbau, Ende 1969 wurde die Ustrab in Betrieb genommen. Bis 1980 verlor auch die Favoritenstraße noch die Straßenbahn. Hier nochmal zum Vergleich das Netz vor dem Abbau.
Das Straßenbahnsterben in der Nachkriegszeit des 2. Weltkrieges war ein weltweites Phänomen. Wien hat sich meiner Meinung nach noch nicht davon erholt, anderswo erlebt das System Straßenbahn eine Renaissance. Ein paar Blicke in andere europäische Metropolen zeigen, wie neue Strecken Begrünung und raumplanerische Akzente in die Stadt bringen.
Das Gebäude links mit der strukturierten Fassade wurde um 1930 als Wohnhausanlage der Angestelltenversicherung gebaut.
Rechts vor uns blitzt schon mit dem roten Bauteil das Wiedner Gymnasium hervor, mit mehr als 800 Schülys.
Blechturmgasse – d.h. wir sind jetzt wieder im 4. Bezirk Wieden und in der Schelleingasse.
Der Name der Blechturmgasse leitet sich von einem Eckhaus ab, das mit einem blechernen Turm verziert war.
Die Schelleingasse erinnert an Carl Schellein 1820-1888, einem Maler und Restaurator. Er wirkte viele Jahre an einer Wiener Restaurierungsschule als Kustos und Schulleiter.
Beachtet die nächste Anrampung! Sie ist sinusförmig und dadurch angenehmer zu fahren. Leider in Wien sehr selten, obwohl von den Richtlinien empfohlen.
Die Schönburgstraße – nächste Links - würde sich als Radroute anbieten und steht auch im geplanten Hauptradverkehrsnetz. Man käme über Kleine Neugasse und Kettenbrückengasse bis zum Naschmarkt. Es fehlt allerdings die Öffnung für das Radfahren gegen die Einbahn.
In der Verschwenkung der Schelleingasse fahren wir an mehren Gemeindebauten vorbei. Die Bauten rechts sind aus den 1920er und 1930er Jahren, der größere Bau links aus den 1950ern. Mir gefallen die Gemeindebauten aus den 1920 mit ihren markant kantigen Erkern.
Wir kommen zum Südtiroler Platz. Geradeaus weiter könnten wir direkt zur Argentinierstraße fahren, was uns sehr viel Ampelwartezeit ersparen würde. Wir aber wollen zum Hauptbahnhof, darum folgen wir dem Wegweiser nach Rechts.
Rechts sehen wir eine rote Stele, die von der Geschichte der Südtiroler Autonomie erzählt. Sie wurde erst im Oktober 2025 eingeweiht.
Dahinter sehen wir nocheinmal die Skulpturengruppe „Haupt- und Nebenwege“.
Auch hier gibt es wieder mehrere Möglichkeiten, über den Platz zu kommen. Ich habe mich wieder entschieden „Aussen“ zu fahren.
Hier nach rechts wünsche ich mir den Gürtel-Radweg. Und wenn er wie die Planung im Hauptradverkehrsnetz umgesetzt wird, dann wird er auch hier gebaut werden.
Hier rechts befindet sich der Busbahnhof des Hauptbahnhofes.
Geradeaus weiter führt ein neuer Radweg entlang der Laxenburger Straße unter den Gleisen der Südbahn durch zur Sonnwendgasse sowie zur Landgutgasse.
Wir aber biegen links zum Vorplatz des Hauptbahnhofes ab.
Im zentralen Favoriten wurde in den letzten Jahren ein Grundnetz an Radinfrastruktur geschaffen, mit Radwegen an Landgutgasse, Herndlgasse und Davidgasse. Ein Radweg in der Neilreichgasse ist überfällig und wird voraussichtlich heuer wirklich gebaut. Abonniert meinen Kanal, da ich diese Radwege auch beradeln möchte!
Diese breite Fahrbahn finde ich verunsichernd. Ich habe das Gefühl, dass ich hier nicht so recht weiss, wo genau ich fahren soll. Das wird hoffentlich mit dem angekündigten Radweg besser!
Rechts sehen wir Quartier Belvedere, ein moderner Gebäudekomplex der auf der Fläche des Ende 2009 geschlossenen Südbahnhofs entstanden ist. Der Name bezieht sich auf das Schloss Belvedere, welches sich hier in der Nähe befindet.
Zum Radweg geht es schräg links.
Wir queren wieder die Argentinierstraße und kommen damit zum Ende unserer Fahrt.
Seht ihr die bunten gestrichenen Gebäude vor uns? Die Farben sind kein Zufall, sondern es handelt sich um ein Kunstprojekt einer Bank, die gegenüber ihren Sitz hat. Sie ließ die Gebäude in den Primärfarben der Euro Geldscheine streichen. Umgesetzt wurde es 2016 von Marcus Geiger.
Mein Fazit:
Wie ihr inzwischen sicher mitbekommen habt, ist diese Umfahrung für mich keine Alternative für einen richtigen Südgürtel-Radweg. Die zusätzlichen Meter und Höhenmeter, die langen Ampelwartezeiten, die potentiell konfliktreichen Kreuzungen, die unechten Wohnstraßen mit ihrem Tempolimit und die fehlende Wegweisung machen den Weg unattraktiv und mühsam.
Ich hoffe, dass die Stadt Wien nach Ende der U-Bahn-Bauarbeiten beim Matzleinsdorfer Platz schnell den Lückenschluss am Südgürtel schafft.
Auch mit einem Radweg wird der Südgürtel unattraktiv bleiben, da der Kfz-Verkehr mit seinen Lärm- und Abgasemissionen die Gegend dominiert. Mir tun die Bewohner*innen leid, die dies tagein, tagaus ertragen müssen.
Zeit für Verkehrsberuhigung – was übrigens Initiativen wie Gürtelliebe mit Bannern und lustigen Aktionen und Radeln for Future mit dem jährlichen Gürtel-Bike-Ride seit vielen Jahren fordern. Schließt euch an, um sie zu unterstützen!
Wie findet ihr die Situation mit der Umfahrung? Schreibt es mir doch unten in die Kommentare!
Wenn ihr euch hier oder an anderen Straßen in Wien Radwege wünscht, dann schreibt doch euren Bezirksvorstehys. Erwartet keine schnellen Änderungen, aber steter Tropfen höhlt den Stein.
Außerdem empfehle ich, Mitglied bei der Radlobby zu werden. Die Radlobby ist ein Verein, der sich auf verschiedenen Ebenen für bessere Bedingungen für das Radfahren einsetzt. Mit eurer Mitgliedschaft habt ihr verschiedene Vorteile wie eine Rechtsschutz-, Unfall- und Haftpflichtversicherung. Außerdem bekommt ihr jedes Quartal den Drahtesel - das österreichische Fahrradmagazin – zugesendet.
Danke, dass ihr bis zum Schluss des Videos dabeigeblieben seid. Wenn ihr die nächste Beradelung nicht versäumen wollt, dann abonniert doch meinen Kanal!